Recap unseres Vortrags auf der eHealth & Society

D2AMedicine: Wenn der Avatar zum Patienten wird

Die 11. Transfertagung „eHealth & Society“ an der FOM Hochschule für Oekonomie & Management stand unter dem Leitmotiv „Designobjekt Mensch – KI im Spannungsfeld von Fortschritt und Verantwortung“. Für uns war der Vortrag „D2AMedicine: Wenn der Avatar zum Patienten wird“, den ich gemeinsam mit Prof. Dr. Peter Hoffmann (FHV Vorarlberg University of Applied Sciences) halten durfte, in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Moment.

Was uns besonders beeindruckt hat, war die außergewöhnlich hohe Qualität der Fragen aus dem Publikum. Sehr früh wurde ein zentraler Gedanke unseres Ansatzes präzise aufgegriffen: Wenn der Avatar zum ersten „Träger“ medizinischer Simulationen wird, dann geht es nicht nur um Effizienz oder Datenverarbeitung – sondern um eine echte Entlastung und Unterstützung ärztlicher Entscheidungsprozesse. Der Avatar kann helfen, Szenarien vorab zu durchdenken, Risiken zu simulieren und Therapieoptionen zu strukturieren, bevor eine reale Intervention erfolgt. Diese differenzierte Reflexion aus dem Publikum zeigte, dass die Diskussion längst auf einem sehr anspruchsvollen Niveau geführt wird.

Ein weiterer Höhepunkt im Parallel Track A war der Vortrag von Dr. Carol Wildhagen von Tandem Health. Vorgestellt wurde eine KI-gestützte Lösung zur strukturierten Dokumentation von Patientengesprächen. Während der Konsultation wird das Gespräch automatisiert in eine medizinische Notiz überführt. Die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt prüft diese Notiz, ergänzt oder korrigiert sie bei Bedarf und gibt sie anschließend aktiv frei. Erst mit dieser bewussten Quittierung wird der Eintrag verantwortlich ins Praxisverwaltungssystem (PVS) oder ins Krankenhausinformationssystem (KIS) übertragen.

Das System unterstützt mehrere Sprachen. Dennoch bleibt klar: Arzt und Patient müssen sich in einer gemeinsamen Sprache verständigen können. Die KI ersetzt keine Verständigung, sondern strukturiert sie. Besonders relevant ist der rechtliche und ethische Rahmen: Die Nutzung setzt eine informierte Einwilligung des Patienten voraus. Es wird empfohlen, diese schriftlich zu dokumentieren. Entsprechende Materialien – von Textbausteinen bis hin zu Hinweisen für das Wartezimmer – werden bereitgestellt. Lehnt ein Patient die Nutzung ab, darf das System nicht eingesetzt werden. Diese Entscheidung kann jederzeit und ohne Angabe von Gründen erfolgen – auch während eines laufenden Gesprächs oder bei einem Folgetermin.

Hier zeigt sich ein zentraler Punkt der Tagung: Die Versorgung ohne KI bleibt der Goldstandard. Technologische Unterstützung darf niemals dazu führen, dass Patientinnen und Patienten ohne KI-gestützte Dokumentation schlechter gestellt werden. Die Frage, wie Praxen und Kliniken organisatorisch damit umgehen, ist hochspannend – und wird uns in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.

Die übergeordnete Leitfrage der Tagung lautete:
Kann medizinische Versorgung unter technologischer Perspektive auch menschlicher gestaltet werden?

Die Diskussionen haben gezeigt: Diese Frage ist keineswegs rhetorisch. KI kann Zeit freisetzen, Dokumentationslast reduzieren und Struktur schaffen. Sie kann Ärztinnen und Ärzte entlasten – und dadurch mehr Raum für echte Zuwendung ermöglichen. Gleichzeitig verlangt sie klare Verantwortungsstrukturen, Transparenz und freiwillige Nutzung.

Gerade im Zusammenspiel der Beiträge wurde deutlich, dass technologische Innovation und humanistische Medizin keine Gegensätze sein müssen. Entscheidend ist, wie wir sie gestalten.

Unser Dank gilt dem gesamten Organisationsteam sowie insbesondere Prof. Dr. Hartmut Reinke, von dem das diesjährige Thema „Designobjekt Mensch“ maßgeblich angestoßen wurde. Die interdisziplinäre Perspektive aus Medizin, Informatik, Ethik und Gesellschaft hat die Diskussion auf eine bemerkenswert reflektierte Ebene gehoben.

Wir freuen uns bereits jetzt auf die 12. Transfertagung und sind gespannt, welches Thema im kommenden Jahr den Rahmen setzen wird.

Sobald die Aufzeichnungen der Vorträge verfügbar sind, stelle ich diese auf Anfrage gerne zur Verfügung.